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Am späten Nachmittag des 17.12.2004 erreichten wir nach teils schwieriger Fahrt einen zwei Tage zuvor nur per Fernglas (die Leica Ferngläser 10x13 sind wirklich gigantisch gut) ausgekundschafteten Hochkessel unterhalb des Süd-West Gipfels des Ojos. Hier auf rund 5500m schlugen wir unser neues Lager auf. Noch am Abend und dann vor allem am 18.12.2004 unternahmen wir eine lange Erkundungs- und Akklimatisationswanderungen (ich wäre besser eine Bergziege gewesen) bis auf rund 5900m. Unglaublich, welche Fels-, Sand- und Geröllformationen hier zu entdecken sind. Alleine der Ausblick auf eine sich im Süden anschließende, völlig flache Hochebene aus Sand, die sich wahrscheinlich über mehr als 15km Länge und 3km Breite erstreckt und fast alle Farben enthält die Sand haben kann war die Mühen wert. Bei heftigstem Wind und Sandtreiben (zusätzlich hatte die Kälte unsere Trinkwasservorräte im Auto einfrieren lassen) brachen wir jedoch unser Zeltlager am Abend des 18.12. ab. Nachdem wir noch einen kurzen Abstecher mit unserem Wagen auf ca. 5850m (etwas oberhalb des zweiten
Schutzcontainers) unternommen hatten, fuhren wir ins ca. 300km entfernte Copiapo zurück. Hier verbrachten wir zur besseren Akklimatisation den Sonntag. Von reiner Erholung kann man dennoch nicht sprechen. Zum einen war Waschtag angesagt und zum anderen lassen sich Dinge wie betonieren, flexen, schweißen, Rasen mähen u.ä. sonntags offensichtlich besser erledigen als an manch anderem Tag, zumindest bei den Chilenen. Als Gäste haben wir es so angenommen wie es war. Nach 2 Nächten auf nur etwa 500m über NN brachen wir dann am 20.12. 2004 wieder zum Vulkan der Vulkane auf. Unser Ziel war seine Besteigung. Von Copiapo aus fuhren wir diesmal über schmalste, aufgegebene und somit nirgends verzeichnete Wüsten- und Schluchtenpisten (Danke an Herrn Marxer von Trophy Tec für das gute russische Kartenmaterial und die
Satelittenbilder) bis zum Ojos del Salado. Ohne Probleme stiegen wir noch am Abend bis auf 5800m auf und verbrachten die anschließende Nacht im Schutzcontainer (Inside ca. -15°C!). Um den Ojos besteigen zu können benötigt man außer jeder Menge Kondition und einer sehr guten Kälteschutzkleidung auch ca. 6-8 Stunden Zeit um den Gipfel zu erreichen (zurück ca. die Hälfte). Da ich mir, wie auch die anderen fest vorgenommen hatte das zu schaffen, hieß es am 21.12. um 5.00 Uhr aufstehen (besser hätte „enteisen“ gepasst/ es war wirklich s..kalt). Nach dem Anlegen aller möglichen Schutzkleidung die mein Rucksack so hergab und einer Tasse heißem Tee begannen wir mit den ersten Sonnenstrahlen um 6.00 Uhr den Aufstieg. Das es schwierig würde hatte ich erwartet, aber was mich erwartete hatte ich mir so nicht vorgestellt. Nur weil Wilfried mit dem vorgelegten Tempo große Rücksicht auf mich nahm (die Schrittgeschwindigkeit war den Namen nicht wert) und Kurt mich mehr als einmal vor dem Umfallen bewahrte (starke Windböhen fegen einen einfach um) erreichten wir einen Schnitt von ca. 200 Höhenmeter pro Stunde. Ich versuchte mich so gut es ging an Wilfrieds Bemerkungen über Steig- und Atemtechniken in großen Höhen zu erinnern und diese zu befolgen, jedoch viel mir jeder Meter schwerer. Als wir um ca. 9.30 Uhr in 6500m Höhe ein zu überquerendes Gletscherfeld auf der nördlichen Flanke erreichten, teilte sich unser Team. Da ich bis zu diesem Punkte wirklich alles an Kondition aufgebracht hatte was mir zur Verfügung stand ("Bedenke immer, dass du auch noch zurück musst" hatte Wilfried mir gesagt) und mir die enorme Kälte mit dem starken Wind mehr als erwartet zusetzte, entschloss ich mich umzukehren. Leider musste auch Kurt einige Meter weiter umkehren, da sich ein Steigeisen wegen eines Defektes ständig vom Schuh löste. Seine Kondition hätte sicher zum Gipfelsturm gereicht. Wilfried hingegen schaffte den Aufstieg und erreichte gegen 11.30 Uhr zum dritten Mal in seinem Leben den Gipfel. Zu diesem Zeitpunkt waren Kurt und ich schon über eine anderen Route auf ca. 6100m abgestiegen und vermaßen mit den mitgeführten Laser- Entfernungsmessgeräten die für uns wichtige Umgebung (an dieser Stelle einen herzlichen Dank an Leica Deutschland für die zur Verfügung Stellung der Rangemaster LAF 1200 Scan/ diese haben uns viele Stunden
Auf- und Abstiege erspart).
Nachdem wir die Vermessung weitgehend abgeschlossen hatten, erreichten wir gegen 13.45 Uhr wieder den Schutzcontainer. Eine gute Stunde Schlaf, der Empfang von Wilfried nach seiner Rückkehr, ein Informationsaustausch mit einer gerade angekommenen kleinen Gruppe französischer Bergsteiger (4 von 7 mussten wegen Krankheit vorzeitig aufgeben) und das obligatorische Packen schlossen sich nun an. Gegen 18.00 Uhr und nach dem Abschluss aller zunächst vorgesehenen Arbeiten am Ojos brachen wir zur spät abendlichen Rückfahrt (incl. Reifenplatzer und -wechsel im
Sand-/Geröllfeld) nach Copiapo auf.
Der 22.12.2004 war ein reiner Organisations- und Reorganisationstag. Der Wagen musste zurückgegeben werden, Tickets für eine Nachtbusfahrt organisiert werden, diverse Einkäufe getätigt und das Reisegepäck für die nächsten 14 Tage vorbereitet werden. Am Abend des 22.12. verließen wir wieder mit einem „Salon Cama“ den Norden und die Atacama Wüste mit Ziel Santiago de Chile. Dort am Morgen des 23ten angekommen hatte ich ein mehrere Tage zuvor per Telefon vereinbartes Treffen mit der Firma, die die Zollabfertigung des Rekordfahrzeuges übernommen hatte, um letzte Formalitäten zu klären. Die Freundlichkeit und das Zuvorkommen auf welches wir bisher auf unserer Reise durch Chile trafen, fand sich auch hier in komplettem Umfang wieder. Gerne lud man zu Kaffe und Kuchen und chilenischem Glühwein ein und leitete direkt alle erforderlichen Schritte für die schnellstmögliche Abwicklung der Zollformalitäten ein. Nach dem erfreulichen Verlauf dieses Treffens verbrachte ich nun zusammen mit Wilfried und Kurt den Vorabend des beginnenden Weihnachtsfestes in Santiago, um am Morgen des 24.12. 2004 nach Argentinien aufzubrechen. Dort beginnt der zweite Teil unserer Vorbereitungen....

Euch allen wünsche ich (auch im Namen von Wilfried und Kurt) ein friedliches und frohes Weihnachtsfest, viel Freude und ein wenig Ruhe während der kommenden Feiertage.

 

Das Leben ist zu kurz...
...um es nicht zu genießen!