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Nach dem Ruhetag entschied ich mich am Morgen des 31.12. gemeinsam mit allen anderen Teilnehmern den Gipfel des Co.Bonnet zu erklimmen. Dieser in der Nähe gelegene „5000er“ sollte uns zum einen mit seiner Höhe und den steilen Geröllhängen als weitere Vorbereitung für den Aconcagua dienen, zum anderen ließen die schlechte Wetterbedingungen (starker Wind und Schneefall) einen Aufstieg in das über 5000m gelegene Zwischenlager des Aconcagua sowieso nicht zu. Zusammen mit Wilfried, Alfred, Herbert, Reinhard Bösch und Sigfried ging ich in einer 6er Gruppe und erreichte eben diesen Gipfel gemeinsam mit den anderen um etwa 14.00 Uhr. Um wegen des sich weiter verschlechternden Wetters kein Risiko einzugehen, begannen wir nach einer kurzen Gipfelfeier wieder recht schnell mit dem Abstieg und trafen etwa 100 Höhenmeter unter dem Gipfel auf Reinhard Thoma und Kurt Kobler, die als 2er Gruppe aufgestiegen waren und den Gipfel 45min nach uns erreichen wollten. Leider kamen jedoch unmittelbar nachdem wir beide verabschiedet und ihnen einen guten weiteren Aufstieg gewünscht hatten starke Graupelschauer mit Blitz und Donner auf, die unserer Gruppe den Rückweg erschwerten und die beiden ca. 20 Höhenmeter unter dem Gipfel aus Sicherheitsgründen zum umkehren zwangen. Nach teilweise rasantem Abstieg erreichten alle am späten Nachmittag wieder das Basislager. Den anschließenden Silvesterabend verbrachten wir gemeinsam mit einer Gruppe italienischer Bergsteiger in unserem kleinen Essenszelt und feierten sowohl nach europäischer, als auch nach chilenischer Zeit den Jahreswechsel zweimal (4 Stunden Zeitversatz / tatsächlich wurden einige Böller und Raketen aus dem Camp abgefeuert). Der Neujahrstag war dann für uns alle wieder ein Ruhetag, den wir unter anderem für die direkten Vorbereitungen unseres für den 02.01.2005 beschlossenen Aufstiegsbeginns zum Gipfel des Aconcagua nutzten. Da sich das Wetter wesentlich verbessert hatte und sich auch die Aussichten für die nächsten Tage positives andeuteten, plante Wilfried mit einer Route über ein Zwischen- und ein Höhenlager (5200m und 5900m) am 04.01.2005 mit uns den Gipfel zu erreichen. Das ich und einige andere in der Nacht auf den 02.01. nicht besonders lange schliefen, vielmehr am frühen Morgen schon Abmarsch bereit waren, lag sicherlich auch an der Nervosität die uns erfasste, als es nun endlich los ging, den höchsten Berg des gesamten amerikanischen Kontinentes und der westlichen Welt an sich (lediglich im Himalaya gibt es höhere Berge) zu bezwingen. Um unsere Kraft für den Gipfeltag zu sparen hatten wir nur das Nötigsten in die Rucksäcke gepackt. Drei Sturmzelte, den Kocher und das Essen ließen wir durch einen Träger ins Zwischenlager und später ins Höhenlager bringen. Am 02.01.2005 gegen 11.00 Uhr begannen wir unseren rund 5-stündigen Aufstieg zum ersten Zwischenlager (einem Felsplatau auf 5200m) nach dem Plaza de Mullas und kamen auf dem teils schneebedeckten Vorsprung gegen 16.00 Uhr an. Leider waren wir zu diesem Zeitpunkt nur noch zu siebt, da Reinhard Thoma für uns alle bedauerlicherweise in den teils extremen Steilpassagen ein starkes Stechen in der linken Brusthälfte zum Umkehren zwang. Zwar erreichte er mit viel Willensstärke noch eine Höhe von 5000m, zog dann aber den sicheren Abstieg dem hohen Risiko eines weiteren Aufstiegs vor. Für uns andere folgten Zeltaufbau, Schneeschmelzen, ein wenig Suppe zubereiten etc. Da wesentlich mehr und anderes wegen des recht starken und ständigen Windes sowieso nicht möglich war, verbrachten wir die folgenden 14 Stunden in unseren Schlafsäcken. Als wir nach einer langen Nacht am 03.01. um 10.00 Uhr aufbrachen um das Höhenlager „Berlin“ auf 5900m zu erreichen zeigte sich des Aconcagua Wetter von seiner besten Seite. Strahlender Sonnenschein und Temperaturen um +5°C machten das Aufsteigen zwar nicht zu einem Genuss, sorgten aber doch für einen recht angenehmen Rahmen. Wir erreichten „Berlin“ etwa um 15.30 Uhr und begannen sofort mit dem Lageraufbau. Wilfried schmolz für die Essens- und Trinkwassergewinnung fast vier Stunden lang Schnee, während wir anderen die Zelte und Schlafplätze richteten. Da ich in einigen Situationen durchaus zu „hörbarem Schlaf“ neige, bezog ich zusammen mit Kurt einen in der Nähe des Lagerplatzes aus Holz errichteten Windschutz. Es war zwar nicht damit zu rechnen, dass die anderen in dieser Höhe gut schlafen könnten, da ich jedoch wegen meines Aufenthaltes am Ojos del Salado über eine bessere Höhenanpassung verfügte, wollte ich meinen Kameraden jede weitere Störung in der vor uns liegenden schwierigen Nacht ersparen. In der Tat wurde die Nacht nicht einfach. Durch die große Kälte war an Schlaf praktisch nicht zu denken. Obwohl ich schon die Hälfte der Schutzkleidung zum vermeintlichen schlafen anzog, den Rest sowie die Schuhe mit im Schlafsack und eine zusätzliche Schutzdecke übergelegt hatte, fror ich so, dass schlafen nicht möglich war. Als Kurt mich gegen 5.00 Uhr aufforderte meine Schuhe im Schlafsack anzuziehen und mich ca. eine halbe Stunde später anzuziehen, war der „Startschuss“ zum Gipfelsturm gefallen. Um 6.00 Uhr brachen Kurt und ich, von Wilfried befürwortet, als erste aus unserer Gruppe auf, um keine Wartezeiten („Frierzeit“) aufkommen zu lassen und erreichten um 8.00 Uhr zusammen mit einem weiteren Deutschen und einem Japaner in 6400m Höhe den letzten Windschutz. Dieser verfallene, knapp 80 cm hohe Holzschlag hinter einer Felsnase sollte für meine weitere Besteigung eine entscheidende Rolle spielen. Gelegen auf einem Hangrücken und direkt vor einem Gletscherfeld bot er allen Besteigern in früheren Jahren offensichtlich letztmalig Schutz vor dem extrem kalten und starken Wind, der vor uns liegenden „Querung“ zur Canelatta (ein langer, schneebedeckter Quergang in 6500m, der von eisigem Wind durchpeitscht wird). Da Kurt und ich zu diesem Zeitpunkt schon unter kalten Zehen litten, und wir mögliche Erfrierungen an unseren Füßen durch ein Weitergehen ausschließen wollten, beschlossen wir zunächst an diesem Punkt auf Wilfried und die anderen Kameraden zu warten. Während Kurt seine Zehen durch ständige Bewegung in den Schuhen und auftreten erwärmen wollte, entschied ich mich durch das eingefallene Dach in das Innere des Verschlags einzusteigen, Schuhe und Strümpfe auszuziehen und meine Füße nacheinander stark zu massieren. Wilfried hatte mit Alfred, Reinhard, Herbert, Siegfried, und einem dutzend anderen Bergsteigern um 6.30 von Berlin aus den Aufstieg begonnen und erreichte unseren Rastplatz um 8.30 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt hatten sich die Zehenprobleme von Kurt nicht verbessert. Dennoch querte er noch alleine ein vor uns liegendes Gletscherfeld, erreichte eine Höhe von ca. 6470m, brach die Besteigung anschließend jedoch ab, um dem Risiko eventueller Erfrierungen vorzubeugen. Abbrechen mussten auch Herbert und Reinhard, die noch unter 6300m der Kälte Tribut zollten. Während bei Herbert akute Fingerprobleme (die Kuppen drohten trotz dicker Daunenfäustlinge zu erfrieren) auftraten, waren es bei Reinhard ebenfalls die Zehen. Beide stiegen später zusammen mit Kurt bis ins Basislager Plaza de Mullas auf 4400m ab. Da meine Zehen nach der Massage wieder einigermaßen in Ordnung zu seien schienen, verlies ich den Verschlag und schloss ich mich Wilfried, Alfred und Siegfried an. Schon um 10.00 Uhr hatten wir die eisige Querung durchlaufen und erreichten den Einstieg zur Canaletta (eine fast 200 Höhenmeter steil aufsteigende Geröll- Rinne). Da die Nasenspitze von Siegfried während der Querung eingefroren war, legte Wilfried, der uns durch seinen gleichmäßigen und besonnenen Schritt an allen anderen aufsteigenden Bergsteigern (ca. 7-8) vorbei am schnellsten durch die Querung geführt hatte, jetzt eine weitere Pause ein. Nur durch die schnelle Querung und die anschließende Sonnenbestrahlung (in die Querung kommen keine Sonnenstrahlen) konnte die Nase von Siegfried vor größerem Schaden bewahrt werden und er die Besteigung fortsetzen. War der Weg bisher schon schwer, so war der Aufstieg durch die Canaletta für Alfred und mich eine Tortur. Alle paar Meter hielten wir an, rangen nach Luft und trieben uns weiter, wenn es gar nicht mehr zu gehen schien. Siegfried wollte knapp 50 Höhenmeter oberhalb des Rastplatzes aufgeben (wir ließen ihn auf seinen Wusch dort in der Sonne zurück), zeigte jedoch seine Willensstärke als er uns eine ¾ Stunde später folgte. Alfred und ich erreichten den Gipfel des Aconcagua nach zähem Ringen um 12.15 Uhr (15 min hinter Wilfried), wobei uns ein nicht zu beschreibendes Glücksgefühl erfasste. Wir hatten es geschafft und den höchsten Berg Amerikas bezwungen! Siegfried schaffte den Sprung auf des höchste Plateau der westlichen Welt um 13.15 Uhr. Gemeinsam trugen wir unsere Namen in das Gipfelbuch ein und freuten uns über diesen Erfolg. Da der Weg zum Gipfel aber nur die halbe Miete ist, begannen wir um 13.30 Uhr den gemeinsamen Abstieg zum Höhenlager Berlin und nachdem Abbau der Zelte weiter zum Basislager Plaza de Mullas. Lediglich Siegfried blieb noch eine Nacht im Höhenlager auf 5900m, da er für einen weiteren Abstieg zu erschöpft war. Ich erreichte das Basiscamp auf 4400m nach insgesamt 12 Stunden Kampf um 18.00 Uhr. Den 05.01. verbrachten wir dann als Ruhetag im Lager und brachen am 06.01. zur insgesamt 40km langen Rückwanderung durch das endlose Aconcaguatal zum Nationalparkseingang auf. Erschöpft aber zufrieden kamen wir dort am Abend nach unserer rund 100 km langen Wanderung/ Besteigung und der Überwindung von ca. 10000 Höhenmetern an. Wir verbrachten die Nacht in Los Pententis (wie wunderbar kann eine Dusche nach 10 Tagen Anstrengung sein!!!) und fuhren am 07.01. mit einem kleinen Shuttlebus zurück nach Chile/ Santiago.

Das Leben ist zu kurz...
...um es nicht zu genießen!