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Wir hatten euch und uns versprochen für eine noch größere Höhe zu kämpfen und haben dieses Versprechen heute eingelöst!

Allen Freunden, Sponsoren, Unterstützern, Beobachtern, Daumendrückern und auch allen Kritikern teilen wir hiermit folgendes mit:

Heute haben wir als Team Matthias Jeschke auf Toyota den neuen und nach den Regeln von Guinness World of Records gefahrenen Höhenweltrekord für Kraftfahrzeuge aufgestellt. Wir erreichten mit unserem Toyota Landcruiser 90 V6 nach spektakulär verlaufenden und unglaublich anstrengenden Stunden eine bestätigte Höhe von 6358m über NN (vor der NASA Überprüfung).

Ein absolut geiler Tag!

Was war passiert?

Es begann um 02.45 Uhr des 04.03.2005, alles was klingeln konnte um uns zu wecken, klingelte (Handys, Wecker, Hoteltelefon). Wir wollten so früh wie möglich los, um des gefrorenen Bodens Willens, wieder zeitig am Ojos zu sein. Da wir alles Equipment schon am Vorabend gepackt hatten, hießen die einzigen Zeitverzögerer nun Roland und Matze. Uns ging es, wahrscheinlich aufgrund des Vorabendessens, nicht besonders gut (bes...... wäre besser ausgedrückt) und bis wir richtig im Auto saßen war es 03.30 Uhr. Zum Glück hatte Jochen die Verantwortung fürs Fahren übernommen und brachte uns mit dem Hilux in vier langen Stunden zur "geliebten" Laguna Verde. Dort angekommen hatte sich zwar Roland, aber ich mich noch nicht erholt. Mir war ko.....übel und ich hatte keine Ahnung, wie ich den Tag in über 6000m verbringen sollte. Kennt evtl. jemand die leckeren, 2 cm dicken und ebenso breiten Kohletabletten? Ich bis dato jedenfalls nicht. Da es jedoch meine einzige Chance sein sollte, diesen Tag zu überstehen, nahm ich diese widerlichen Dinger ein. Unabhängig von deren Wirkung fuhren wir zunächst zusammen mit unseren beiden chilenischen Helfern zur Refugio Atacama, nahmen dort einen "unabhängigen Beobachter und Kontrolleur" auf und fuhren mit dem Hilux weiter bis zum Einstieg unserer Rekordroute. Hier ließen wir den Wagen stehen und begannen gemeinsam den anstrengenden Aufstieg zum "Rekord- Landcruiser-Parkplatz" auf 6115m. Als alle den Wagen erreicht hatten war es 11.30 Uhr. Gespannt warteten Roland, Jochen und ich, unsere zwei chilenischen Helfer und der offizielle Beobachter nun auf die Beantwortung der wichtigsten Fragen: Würde der Wagen nach zwei Nächten in über 6000m und Temperaturen um -25°C wieder problemlos an springen und vor allem, würden die eingebauten GPS Systeme, das Laptop und die Iridium Telefonanlage auch wieder so zuverlässig weiterarbeiten wie zuvor? Nach bangen Minuten des Wartens die Erlösung: Alles funktionierte perfekt! Der Motor sprang sofort an und alle installierten Systeme arbeiteten einwandfrei. Der Weiterfahrt in unbekanntes Terrain stand nichts mehr im Weg. Oder etwa doch? Denn was rund 30 Meter unter uns lag, war die Schlüsselstelle zu weiteren Höhen. Ein kleiner, gefrorener Gletschersee in 6080m Höhe. Er erschien uns zunächst, da nicht vollständig einschätzbar, als die vielleicht schwierigste, aber nicht vermeidbare Stelle der Rekordfahrt (rechts neben dem See ging es steil bergab, und links von ihm lag ein nicht zu überquerendes Schnee- und Büßereisfeld). Zwar hatte ich das Eisfeld bei meinen insgesamt vier Fußüberquerungen am 02. und 03.03.2005 "gestochen" (Prüfung der Eisdicke mittels durchstechen mit einer Stange) und für durchaus tragfähig befunden, dennoch konnte ich nicht ausschließen, dass der Wagen einbrechen würde. Zunächst hieß es aber mit dem Landcruiser vom "Parkplatz" aus, über einen Steilhang an den Rand des Sees zu gelangen. Dies war schwieriger als ursprünglich gedacht, ließen sich doch einige Steinbrocken (die wegen ihrer Größe trotz aller Technik nicht zu überfahren waren) nicht dazu bewegen, ihren Platz vorübergehend zu räumen. Als wir jedoch auch dies gemeinsam geschafft hatten, stand ich nun zusammen mit Jochen, den drei Chilenen und dem Landcruiser am Rand des Eisfeldes, während sich Roland mit der Kamera auf dem rückwärtigen Steilhang postiert hatte um Top- Aufnahmen zu machen.
Ich gebe zu, dass mir in diesem Moment nicht wirklich wohl in meiner Haut war. Zwar hatte ich die Route für die Querung genau festgelegt (120m auf schneebedecktem Eis exakt geradeaus, dann 35m auf blankem Eis im 45° Winkel nach rechts, dann 90m auf schneebedecktem Eis im 90° Winkel zur mittleren Strecke nach links) und glaubte fest an einen Erfolg, aber ein Rest Unsicherheit hämmerte wie verrückt an die Eingangstür zur Vernunftseite meines Denkorgans. Leider oder auch zum Glück gab ich dem nicht nach, sondern fuhr los. Ich ließ den Cruiser zunächst im ersten Gang langsam aufs schneebedeckte Eis kriechen, versuchte auf Brechgeräusche zu hören und mich an den festgelegten Kurs zu halten. Als ich den ersten Abschnitt ohne Probleme geschafft hatte und auf die 35m Strecke mit blankem Eis abbog, begann das Eis plötzlich zu brechen. Egal wie, dachte ich, nur weg hier und gab Vollgas. Der 90er schoss (soweit man das bei Untersetzungsgetriebe, 1. Gang sagen kann) durch das brechende Eis (brach aber immer nur bis etwa zu 2/3 des Raddurchmessers ein). Nach einigen Metern riss ich das Lenkrad herum, um auf die neue schneebedeckte Strecke zu kommen und erreichte das andere Ufer nach Sekunden des Schreckens tatsächlich ohne Schaden! Ihr könnt euch nicht vorstellen wie groß die Freude bei uns allen über diesen Erfolg war. Dies ließ meine Übelkeit mit einem Schlag verschwinden. Wir alle jubelten uns zu und waren mehr als glücklich. Wir hatten doch das Nadelöhr zum Erfolg passiert!

Nach den ersten Minuten des Jubels folgten mir die anderen zu Fuß übers Eis. Sie stellten etwas fest, was uns nochmals mehr Freude bereitete. Genau dort, wo der Landcruiser eingebrochen war, verlief eine Art Sandbank durch den kleinen See. Für uns bedeutete dies nicht nur die Hinfahrt war geschafft, sondern auch die Rückfahrt war einigermaßen gesichert und konnte später über diese Stelle verlaufen. Stellt euch vor, wie es uns in diesem Augenblick ging. Ich kann es kaum beschreiben. Wir hatten hoch gepokert und gewonnen!

Nachdem Roland als letzter "gequert" und seine neue Kameraposition eingenommen hatte, trieb ich den V6 einen zuvor per Fernglas ausgekundschafteten Hang hinauf. Unten noch mit viel Sand und kleineren Geröllbrocken bedeckt, nahmen Schneefelder im oberen Drittel stark zu. Da ich auf gar keinen Fall Schwung verlieren wollte, musste ich in Bruchteilen von Sekunden entscheiden, welcher Richtung ich folgen wollte. Nach einer Absatzsenke entschied ich mich links an einem Felsbrocken vorbeizufahren. Ich trat das Gas nochmals voll durch und hielt auf ein Schneefeld zu. Alle Räder drehten durch, der 90er wühlte sich bergan bis er mir kurz vor der Kuppe plötzlich nach links wegrutschte und in gefährliche Schräglage geriet. Erst kurz vor dem Umkippen konnte ich das Rutschen durch alle möglichen und unmöglichen Manövermaßnahmen beenden. Was ein Glück! Wäre der Wagen in dieser Situation umgekippt, hätte es Stunden gedauert, ihn wieder aufzurichten. Ganz vorsichtig brachte ich den Wagen anschließend wieder in eine Neustartposition, während die anderen in etwa 800m Entfernung (verdammt viel, wenn man sie auf 6080m bergauf laufen muss) gespannt verfolgten, was am Hang passierte. Also noch einmal: 1. Gang, Vollgas, diesmal wieder links am Felsbrocken vorbei, jedoch mit nach rechts eingeschlagenen Rädern. Und es klappt! Ich komme hoch und stehe mit LM-JM 17 auf 6223m ü. nN. Wieder verbesserten wir damit unsere eigene Weltrekordmarke von 02.03.2005 und stehen auf einem kleinen Gipfel, die anderen folgen zu Fuß, doch sie können kaum noch. Wie auch, die Anstrengungen hier oben sind brutal. Dir fehlt jede Menge Sauerstoff, dein Herz schlägt wie wild, der Kopf dröhnt, dir ist schwindelig und du glaubst jeden Moment umzufallen. Jede Arbeit hier oben kommt dir vor, als müsstest du sie unter dem zusätzlichen Ballast von zwei Zementsäcken vollführen. Selbst unseren chilenischen Helfern ging langsam die Puste aus. Wie muss es da erst meinen beiden Freunden gehen. Wie gerne hätte ich sie abgeholt und rauf gefahren. Da dies jedoch unmöglich war, lief ich ihnen wenigstens entgegen und nahm Roland die schwere Kameratasche ab. Oben angekommen ging erst mal gar nichts mehr. Wir waren alle völlig fertig. Mittlerweile ist es 13.00 Uhr Ortszeit. Nach einigen Minuten beginnen wir zu diskutieren. Sollen wir versuchen noch weiter zu fahren? Vor uns liegt wieder eine Senke mit Eis-, Schnee- und Büßereisfeldern. Würden wir einen Weg auf die andere Seite finden? Wenn ja, könnten wir möglicherweise noch höher fahren, - aber nur möglicherweise -?!. Ich entschließe mich mit beiden chilenischen Helfern vorzulaufen und einen Weg zu suchen. Nach 1 ¾ Stunden komme ich zum Wagen zurück (beide Helfer warten etwa 1,5 km entfernt an einem Büßereisgraben) und berichte den Zurückgebliebenen von einer entdeckten Möglichkeit der "Hochtalquerung". Gemeinsam beschließen wir es zu versuchen und lassen aus den Reifen nochmals Luft ab und fahren von nun an bis zum Ende!! nur noch mit 0,5 bar (in NN etwa 0,2 bar - welch eine Reife(n) Leistung der MT/R`s). Zunächst läuft alles planmäßig. Alle sitzen im Auto, als wir den Hang auf die erste weitere Eisfläche herunterfahren. Vorsichtig kriecht der Toyota über den ersten Eisbruch. Es scheint kein Problem zu geben. Dann plötzlich ein Crash. Unter dem hinteren rechten Rad ist das Eis weg gebrochen. Der Wagen sitzt mittig auf und zwei Räder hängen in der Luft. Alle steigen aus. Wir bringen den mitgeführten Erdanker von Taubenreuther in Position und rucken einmal kurz mit der hinteren Winch an. Es klappt, der Wagen kommt frei. Ich setze zurück und überfahre den Bruch weiter links. Anschließend fahren wir alle gemeinsam (zu sechst!) im Wagen weiter. Plötzlich scheint es uns als öffneten sich die Türen des Ojos nun. Als hätte der Berg erkannt, das wir ehrfürchtig und als Freunde gekommen sind, die nicht bezwingen sondern erreichen wollen. Mit jedem weiteren, gefahrenen Meter wird klarer, wo der jeweils neue Weg ist. Der Toyota Landcruiser klettert über mächtige, aber flache Steinplatten immer weiter empor. Wir fahren über Kanten und Trassen, über Schneefelder und kleinere Eisplatten. Die GPS Geräte zeigen mittlerweile 6290m an. Wir können es kaum fassen und fangen völlig frei an zu lachen und uns zu freuen. Trotz der enormen Belastung jedes einzelnen von uns brechen die Emotionen durch. Wir klatschen uns gegenseitig ab. Keiner kam bisher höher als wir und es geht weiter!!!! Vor uns liegt nun nur noch ein Schneefeld. Wir preschen rein, bleiben im fast einen Meter tiefen Schnee stecken, steigen aus, schaufeln uns frei und versuchen es erneut. Es geht nur alleine. Alle anderen schleppen sich mit letzter Kraft auf den kleinen Gipfel vor uns. Ich setzte zurück und lasse den Motor noch mal auf über 5000 1/min hochdrehen. Dasselbe Spiel wie einen Monat zuvor. Die Kupplung knallt mit einem Schlag. Alle Räder drehen durch, der Schnee fliegt im hohen Bogen. Der Landcruiser nimmt Fahrt auf. Als ich das Schneefeld hinter mir habe und der letzte Hang vor mir liegt dreht der Motor fast 6500 1/min. Ich schreie sinnloser Weise im Wagen, um letzte Kräfte zu mobilisieren. Der Cruiser wühlt und wühlt und wühlt. Er packt es. Er kommt rauf, er kommt tatsächlich rauf und wir stehen gemeinsam mit unseren Freunden und Helfern auf sage und schreibe 6358m!!!!!!!!!!!!!!!

Es ist unglaublich:

Ohne zusätzlichen Sauerstoff und ausschließlich fahrender Weise erreichen wir an diesem 04.03.2005 um 16.00 Uhr Ortszeit einen neue und absolute Weltrekordhöhe für Kraftfahrzeuge von >> 6358m über nN. Gigantisch!!

Ich springe raus, gegenseitig fallen wir uns in die Arme, beglückwünschen uns und freuen uns miteinander über diese unglaubliche Teamleistung. Es ist geschafft.

Es folgen Fotos, Kameraaufnahmen etc.

Dann wird es gefährlich. Dicke Schneewolken ziehen von Argentinien herüber. Die Chilenen mahnen dringend zur Eile. Wir müssen unbedingt runter. Es wird hektisch. Schnell noch den erreichten Höhenpunkt mit der chilenischen und der deutschen Flagge markieren (eine Schneiderei aus Copiapo hatte es sich nicht nehmen lassen beide Flaggen extra noch zu nähen) und dann nichts wie weg. Sollte es tatsächlich anfangen zu schneien, wären das Zurücklassen des Wagens und der Versuch des schnellen Abstiegs des Teams die einzige Chance hier raus zu kommen. Doch wir schaffen es. Noch bevor es tatsächlich anfängt fest zu schneien erreichen wir mit einer fast unbeschreibbaren Kraftanstrengung (jeder ist wirklich fix und fertig) kurz vor Einbruch der Dunkelheit sicheres Terrain an der unteren Hütte, der Refugio Atacama. Wir fahren noch bis zur Laguna verde weiter und fallen "mausetot" in unsere Schlafsäcke.


Liebe Freunde,

ohne Übertreibung glaube ich sagen zu können, dass wir als Team Großes geleistet haben. Dabei kommt es uns nicht so sehr auf das an, was wir erreicht haben (auch wenn es eine absolut gigantische Höhenmarke für Kraftfahrzeuge ist), sondern viel mehr wie wir es erreicht haben. Ohne zusätzlichen Sauerstoff und als völlig unterschiedliche Typen haben wir Hand in Hand gekämpft, haben füreinander eingestanden und unter schwierigsten Bedingungen einen Rekord gefahren, an dem sich nun alle anderen messen müssen. Wir haben weltweit für ein gewisses Aufsehen gesorgt und sind stolz gegen alle Bedenken und Ängste bestanden zu haben.

Danke an alle, die uns unterstützt und gefördert, die uns tatsächlich oder in Gedanken begleitet und an uns geglaubt haben.

Danke an Frau Recino und Herr Noell von Cine Relation und an Dirk Glaser von Ditho TV für die beeindruckende und freundschaftliche Zusammenarbeit.

Danke an Jochen und Roland, die neben der Wahrnehmung ihren Aufgaben oftmals selbst völlig am Ende ihrer Kräfte immer noch konstruktiv diskutiert haben und mit denen es viel Spaß gemacht hat unterwegs zu sein.

Danke an Chile und besonders an unsere chilenischen Helfer, die ihr Land so vertreten und repräsentiert haben wie wir es wahr nahmen - als liebenswertes, überaus gastfreundliches und bereisenswertes Land in Südamerika.

Und DANKE, ein besonderes DANKE an meine über alles geliebte Frau Karin, die mir und meinem Team in jeder Situation, in Gedanken und Taten die Beendigung dieses Abenteuers und die Aufstellung des Höhenweltrekords für Kraftfahrzeuge ermöglicht hat.

Matthias Jeschke


© MatthiasJeschke.com
Das Leben ist zu kurz, um es nicht zu genießen!

last update 2 November, 2005